Aufgrund eines aktuellen Anlasses (Tötung eines Bahnmitarbeiters) habe ich mich entschlossen, diese „Spiegel“-Ausgabe nachzubesprechen.
Das Titelbild wird dominiert von einer Zeichnung, der Titel lautet „benehmt euch!“ mit dem Untertitel „Die neue Sehnsucht nach guten Manieren“ und fettgedruckt „50 Knigge-Regeln für heute“. Man fragt sich wieder einmal, ob diese Titelgeschichte nicht in einem Unterhaltungsmagazin besser aufgehoben wäre denn in einem politischen Magazin, aber gut.
Dann oben drei Beiträge:
- Berlin: Eine CSU-Frau räumt die Verwaltung auf
- Bundestag: Wie die AfD stört, pöbelt, droht
- Hape Kerkeling: „Ich rede mich hier um Kopf und Kragen“.
Das Heft kostet jetzt 6,90 €.
Auf Seite 3, „Hausmitteilung“ (die Überschrift führt eigentlich in die Irre, vier Artikel werden kurz zusammengefaßt):
- Titel
- Orcas
- Geburten
- Gaza
Seit langem sage ich, der demographische Wandel ist das zentrale Problem Deutschlands. Also lese ich die Zusammenfassung durch. Nahezu fassungslos lese ich ‚“Seriöse Wissenschaftler mahnen zur Besonnenheit, wünschen sich aber, dass die Politik das Thema endlich ernst nimmt“, sagt Backes.‘ Nun, ich mahne seit langem nicht zur Besonnenheit, in meinen Augen ist der Umgang mit den Problemen, die sich aus dem demographischen Wandel ergeben, inzwischen eine existentielle Frage geworden.
Seite 4 und 5, „INHALT“, wieder nichts zu Frankreich oder Japan.
Der Leitartikel auf Seite 6, „Hass gegen Fakten, Hass gegen Journalisten, von Dirk Kurbjuweit, den ich bereits seit der „Zeit“ verfolge. Schöner läßt sich nicht illustrieren, daß er keine einzige „Rally“ von D.T. angesehen hat, denn er schreibt „In den vergangenen Monaten mussten wir sehen, wie US-Präsident Donald Trump Journalisten öffentlich beschimpfte […]“. Äh, das macht er mehr oder weniger seit Anfang an. Es gab eine – in meinen Augen – legendäre Rally, in der er mit dem Zeigefinger einmal von links nach rechts die versammelten Journalisten anvisierte und sagte „you are all Fake news“. Verwunderlich auch, daß in dem Artikel kein Absatz zu Ján Kuciak zu finden ist, meiner Meinung nach hätte dieser Fall viel mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.
Auf Seite 7 eine Werbung der „Cosmos Direkt“, zur Altersvorsorge.
Seite 8 bis 19 mehr oder weniger das Titelthema.
Seite 20, „Politische Bühne“, die (Wieder-)Eröffnung einer Brücke. Ich habe einige Jahre in Mainz gelebt und wußte somit schon lange vor „der Allgemeinheit“, wie es um die Brücken bestellt ist. Meiner Meinung nach sollte das Thema seit langem Chefsache sein. Nun gut.
Dann das übliche „Trump“-Bashing, auf Seite 21, „Minus“ im „Demokratiecheck“: „Das Justizministerium der USA hat die Epstein-Akten nur zum Teil freigegeben. So bleibt offen, ob Donald Trump in den Skandal um den Missbrauch junger Frauen verwickelt war.“ Besonders lustig, wenn man das Video von Pam Bondi zu dem Vorwurf, zu viele Opfer seien nicht geschwärzt gewesen, kennt. Ich habe dem Komplex einen eigenen Blog-Beitrag gewidmet. Dort findet der „Spiegel“ auch Hinweise, wie man bei der eigenen Recherche am besten vorgehen könnte.
Dann einige Seiten eher Unterhaltung, auf Seite 24 „Der Augenzeuge“ / ‚“Manche halten einfach drauf“‚, über den Umgang mit Obdachlosen. Das Thema sollte in meinen Augen auch schon lange Chefsache sein, ich habe an anderer Stelle bereits ausführlich über diesen Problemkomplex geschrieben und will es hier nicht weiter tun, der Artikel ist gut.
Auf Seite 25 eine ganze Seite Werbung, von SAP, „Die neue EU AI Cloud“.
Ab Seite 26 das übliche „AfD“-Bashing, „Die neue Dominanz“, „Der Bundestag ist zur Kampfzone geworden“ liest man da und reibt sich verwundert die Augen. Vielleicht sollte das Autorenkollektiv (fünf Autoren für drei Seiten Text) einmal alte Aufnahmen von Herbert Wehner sich ansehen oder das, was im EU Parlament zum besten gegeben wird.
Seite 32, das „Minister-Interview“, wie ich es inzwischen nenne, die Gesundheitsministerin will „die Zahl der Arztbesuche in Deutschland reduzieren“. Ja mei, die Pharmalobby ist so stark, daß die Politik zurückweichen müsse, das wußte schon H.S., Der Chefredakteur ist ja Volkswirt, ich weiß nicht, wie er es sieht, ich habe ja auch einen VWL-Schein und sage, die Krankenkassenbeiträge werden um 90 % sinken müssen – das wird meiner Meinung nach so oder so geschehen und besser ist, es geschieht mit Gestaltung und nicht unter dem Druck der akuten realen Zwänge. Aber man kann ja abwarten, wie die USA vorgehen, das erst „bashen“ und zwei Jahre später nachmachen. Oder drei.
Auf Seite 34f der Artikel, aufgrund dessen ich mich zu der Nachbesprechung entschlossen habe: „Bob, der Helfer“, mit dem Untertitel „Roland Weber ist der Opferbeauftragte der Bundesregierung, die Todesfahrt von Magdeburg vor einem Jahr war sein erster Einsatz. Bis heute ist er mit Betroffenen in Kontakt“.
Der Artikel von Julia Jüttner ist hervorragend.
Man muß allerdings etwas Hintergrundwissen haben, z.B. von „NIUS“ oder „reitschuster.de“, so daß man „ein Mann“ richtig dechiffrieren kann. Es fehlt: „Afghane“, „Afghane“, „Syrer“, „Deutscher“, „Syrer“ bei der Auflistung „grausamer Taten“.
Nun denn. In meinen Augen sollte Ronald Weber mehr Einfluß und mehr Mitarbeiter erhalten, denn ich fürchte, Deutschland kann nicht mehr umsteuern und er wird in den nächsten Jahren leider sehr oft gefragt sein. Für mich war das zu „Corona-Zeiten“ ein Grund, aus dem „Weißen Ring“ auszutreten, weil mir nicht mehr klar war, wie die „Opfer“ der Corona-Maßnahmen eigentlich vertreten worden sind. In dem Artikel muß man etwas lange warten, bis der „Weiße Ring“ erwähnt wird. Mich hätte interessiert, wie Herr Weber diese Organisation sieht. Wenn es stimmt, wie in dem Artikel zu lesen ist, daß der „Magdeburger Todesfahrer […] aus der Untersuchungshaft Briefe an Betroffene geschickt“ hat, aber umgekehrt keine Daten der Opfer an den „Weißen Ring“ übermittelt werden können, aufgrund des „Datenschutzes“, dann fühle ich mich in meiner Meinung bestätigt, den Datenschutz komplett abzuschaffen. Jemand, der Ahnung hat, soll dann bitte den gesamten Datenschutz neu aufsetzen. Und ich frage mich immer wieder: Was sind eigentlich die Ziele?
Auf Seite 37 ein Artikel zu Ursula von der Leyen, der es tatsächlich schafft, die Hintergründe nicht zu erwähnen. Da denke ich mir, wer nur auf den „Spiegel“ angewiesen ist und nicht weiß, was bei der Europawahl 2019 geschehen ist (an der Oberfläche, was im tiefen geschah, kann man nur mutmaßen), hat keine Chance.
Seite 38, ein Artikel zur „Bändigung der Verwaltung der Bundeshauptstadt Berlin“ liest sich auch anders, wenn man die Streusalz-Posse im Hinterkopf hat.
Aus der Software-Entwicklungs-Szene weiß man, daß weniger einfach mehr sein kann. Vielleicht sind 135000 Mitarbeiter in der Verwaltung einfach 100000 zuviel? Das muß ja alles auch irgendwie finanziert werden. In meinen Augen gibt es spektakuläre Wissensdefizite bei basalen volkswirtschaftlichen Grundlagen in der Politik – und auch in den Medien.
Ich frage immer wieder: Was ist eigentlich euer Ziel?
Seite 42, „In der Hand explodiert“, über einen Mann, der frei Finger verloren hat und: „Trotzdem böllert er weiter“. Ich denke mir: Das Problem mit den „illegalen Böllern“ besteht ja nicht seit gestern, also wieder: Was ist euer Ziel? Und warum schafft es Deutschland nicht, diese „Böller“ zu konfiszieren und entsprechende Strafen zu verhängen? Dann hört sich das ganz schnell auf, entsprechende Strafen, Einzug des Gewinns etc. Ich habe das Gefühl, daß hier erhebliche strukturelle Verfolgungsdefizite und Ahndungsdefizite bestehen.
Seite 44, wieder der übliche Artikel gegen „Verschwörungstheoretiker“. Die Autorin sollte sich einmal selbst einen Tag lang zwingen, die Aussagen der „Jane Does“ in den Epstein-Files zu lesen. Dann bin ich gerne zu einem direkten Gespräch bereit und zu einer Diskussion. Ich wundere mich schon sehr lange, warum eigentlich von der feministischen Seite kein Druck aufgebaut zu werden scheint bei den „Epstein“-Ermittlungen. Und bei der Thematik „Coronaleugnung“ scheinen große Teile der Redaktion fundamentale Wissensdefizite zu haben, sonst wäre der entsprechende Absatz meiner Meinung nach nicht „durchgerutscht“. Oder, wieder, die Frage nach den eigentlichen Zielen.
Seite 45, Werbung in eigener Sache, „52 Wochen lesen, 50 % sparen“.
Seite 46, fast schon eine Verschwörungstheorie, „Der Erfolg von Yoga zeigt, dass viele Menschen sich nach Spiritualität sehnen“, da denke ich mir, ist Yoga nicht seit gut fünf Jahren rum ums Eck?
Seite 48, der übliche Ukraine-Artikel. Dieses Mal zu Mariupol. Immerhin wird inzwischen offenbar anerkannt, daß die Stadt nicht gehalten werden konnte. Die Musik spielt in Odessa, das habe ich von Anfang an gesagt. Wenn in einem Artikel „Kyjiw“ steht und nicht „Kiew“, ist der Hintergrund klar. Ich erinnere mich noch gut, wie in den „Mainstream-Medien“ stand, Mariupol sei gehalten und auf „alternativen“ Kanälen konnte ich die Busse mit den ukrainischen Kriegsgefangenen sehen – und deren Zustand. Ich kann absolut nicht nachvollziehen, was das Ziel hinter dieser Pseudo-Heroisierung sein könnte. Ich frage mich auch, ob die zentrale Aussage auf Seite 52 stimmt, daß „Kyjiw den rund 2500 ukrainischen Kämpfern befohlen habe, sich zu ergeben“. Einen Beleg dafür liefert ja gerade der Protagonist, der ja „das nicht mache“.
Man fragt sich, mit dem Blick auf „den Fall Relotius“, was soll eigentlich der Artikel? Unterhaltung? Zeigen, daß die Russen „dumm“ waren, indem sie ihm geglaubt hatten? Was denkt sich die Redaktion, wie „die Russen“ bei dem nächsten Mann im wehrfähigen Alter verfahren werden? Ich frage mich wieder: „Was ist das Ziel?“. Zum Inhalt „Wieder ändert er seine Story“ (S. 54), damit wird doch explizit zugestanden, daß der Protagonist gut ist im „plausible Geschichten erfinden“. Nun denn. Irgendjemand wird sich schon irgend etwas gedacht haben.
S. 56, „Hochzeitsboom“ in Gaza.
S. 60, „Selbstschutz statt Opferschutz“: „Donald Trump rechtfertigt das Katz- und Maus-Spiel um die Epstein-Akten mit Rücksicht auf die Opfer. Viele Betroffene halten das für eine Ausrede“.
Ich bin wirklich fassungslos bei diesem Artikel. Und ich möchte nicht unfair sein, das „Your time is up“ von Pam Bondi konnte die Autorin noch nicht wissen. Aber wenn Maria und Annie Farmer, die den „Aufhänger“ des Artikels bilden, hier so ausführlich zu Wort kommen können, dann fragt man sich, wenn der Fall 1996 war, warum nicht eine der vorherigen Administrationen die Dateien veröffentlicht hat oder ein Staatsanwalt besser ermittelt hätte? Im September 1996 war Bill Clinton US-Präsident. Wenn meine Recherchen stimmen, war ein Demokrat 1996 Senator und ein Republikaner Governor. Nach meinen Recherchen wurde die Anzeige von Maria Farmer beim NYPD eingereicht.
Seite 61, wieder eine Seite Anzeige in eigener Sache, „Schenken Sie Lesefreude“.
Seite 63, wieder eine „Analyse“, die fassungslos macht. Man weiß: Es gab zwei Rücktritte bei der BBC. Nur von einem wird hier berichtet. Und wer sich den Original-Clip der BBC zu J6 angesehen hat, kann gar nicht zu einem anderen Schluß kommen, als daß journalistisch hier zumindest etwas unsauber gearbeitet worden war. Der „Spiegel“ stellt dies anders dar, resümiert „Ein Etappensieg in Trumps Kampf gegen die freie Presse“, der – wenn es zu einem hohen Schadensersatz kommt, das Ende der BBC bedeuten könnte.
Auf Seite 63 ein Artikel zum Jemen, kann so sein, kann auch nicht so sein, wichtig ist, daß es überhaupt einmal thematisiert wird.
Seite 64, „Die Geister von Gibraltar“, über Orcas, die Schiffe angreifen, man denkst sich, wieder eher U als E-Musik.
Seite 70f, Doppelseite, Werbung in eigener Sache, „6 Prämien zur Wahl“.
Seite 72 bis 75, über den Youtuber „MrBeast“. OK.
Seite 76, ein Interview, „Ich bin gespannt, was die Menschheit zerstört: die Cleverness der KI oder die Dummheit von Trump“. Äh, man denkt sich, daß die Menschheit zerstört wird, ist ausgemacht, die Frage ist nur noch was?
Neulich war ich in einem Gespräch mit Kunden und einer erzählte: „Alle Restaurants in der Umgebung meiner Heimatstadt suchen Köche“.
Ich dachte mir, das mag sein, das liegt bestimmt auch an der KI, die nimmt den Köchen die Arbeit weg.
Dann dachte ich mir, „wenn ich 150000 Euro bekomme, koche ich meine legendären Reis-Gerichte, egal wo“.
Deshalb muß man derartige Artikel auch nicht lesen. Wie gesagt: „Was ist das Ziel?“, diese Frage sollte man sich immer stellen und man merkt auch so, daß hier im Ansatz elementares volkswirtschaftliches Wissen fehlt, bei einem „führenden Wirtschaftswissenschaftler“. Ich frage mich immer, wie kamen derartige Personen in Leitungspositionen oder warum wird wieder „Donald Trump“ oder seinen Aktionen Raum gegeben? Gibt es wirklich nur noch ein Thema?
Er sagt, „Europa muss seine Regeln überarbeiten.“. Nein, Europa muß 90 % seiner Regeln abbauen, meiner Meinung nach. Jetzt ist es ja so, daß die Wirtschaft „wächst“, wenn die öffentliche Hand jemanden einstellt, der die Bio-Mülleimer kontrolliert, ob da auch wirklich nur Bio-Müll ist. Oder wenn die öffentliche Hand einen Steuerprüfer einstellt. Oder wenn die öffentliche Hand eine Behörde gründet für Film- oder Computerspiel-„förderung“. In meinen Augen sollten Ausgaben der öffentlichen Hand komplett bei der „Wirtschaftswachstum“-Berechnung gestrichen werden. Denn sie zerstören letztlich die Statistik. Wenn der Staat dann für ihn überraschend (für mich nicht, ich habe das geradezu in meinem Umfeld gepredigt seit 20 Jahren) ein Problem bei der Einnahmenseite hat und 500 Milliarden plötzlich „gepumpt“ werden müssen, „wächst“ die Wirtschaft weiter. Es kann im Grenzfall – und ich liebe Grenzfälle – rechnerisch ein einziger, der „wirklich“ arbeitet, 99 Personen lange „auf Pump“ durchfinanzieren. Aber halt nicht ewig. Und irgendwann klappt das alles zusammen. Es hat halt nur noch nicht jeder gemerkt, die Zeichen der Zeit. „mene mene tekel“ sage ich da nur. Ich habe das alles schon so oft geschrieben.
Seite 79, noch ein Artikel zur Wirtschaft, „Das Schnitzelgeheimnis“, „Die Mehrwertsteuer für Speisen in Restaurants sinkt von 19 auf 7 Prozent. Der Wirt […] rechnet vor, was das für seine Gäste bedeutet“.
Tja, als alter Marxist könnte man sich fragen, wo ist denn der „Mehrwert“. Oder nicht besser „Umsatz“? Am besten „Umsatzsteuer“. Der Artikel ist gut, man fragt sich nur, warum hat er ein weiteres Restaurant eröffnet? Das macht den gesamten Artikel leider doch in der Summe unglaubwürdig.
S. 82ff ein schöner Artikel „Seele für den Chatbot“. Die Thematik, daß viele mit einem Chatbot „reden“, halte ich seit „Eliza“ für wissenschaftlich untererforscht. Damals haben wir „Eliza“ ja noch komplett abgetippt und dann laufen lassen. Es ist im Grunde ein uralter Hut. Jetzt aber ist es in gewisser Weise eine neue Dimension, weil eben nicht Programmierer mit dem Bot „chatten“, sondern normale Anwender. Letztlich ist der Chatbot-Chat offenbar zur Zeit völlig unreglementiert – und da fragt man sich schon, warum die EU alles mögliche vorschreibt, aber hier US-Konzerne mehr oder weniger frei walten läßt. Soweit ich informiert bin, gibt es nur einen Chatbot, der interne Entscheidungsstrukturen nun offengelegt hat.
Was mich in dem Zusammenhang auch immer wieder wundert, im Gespräch in meinem Umfeld: Viele „normale“ Anwender, die ansonsten mit Inbrunst das „Klima schützen“ wollen, haben keinen Gedanken daran verschwendet, wieviel Energie sie verbrauchen durch ihre KI-Nachfrage – und was diese auf der Angebotsseite macht. Da denke ich mir immer: Sind die Menschen wirklich so schlecht informiert oder ist das wieder ihre semipermeable Moralkeule? Und immer muß ich mir anhören, für was sie alles KI nutzen, E-Mail-Formulierung, Jobsuche, Artikel zusammenfassen, Recherche. Und ich denke mir: Ja, äh, aber Ihnen ist schon klar, so steigt der Uranpreis? Das war dann der Grund für meinen Einstieg in Uranaktien.
Seite 86, ein Artikel, bei dem man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll: „Allein durch die Nacht: Viele Frauen gehen bei Dunkelheit nicht gern allein raus. Im Emsland lernen sie, Gefahren besser einzuschätzen und sich zu verteidigen.“. Nun, in dem Artikel werden die Fälle Eve Carson und Elin Krantz nicht erwähnt.
Ab Seite 95: „Ihr Kinderlein kommet“. Man reibt sich wieder einmal die Augen, wenn man liest:
Aus rechtspopulistischer Perspektive hat die Angst vor dem Schrumpfen der eigenen Gruppe einen praktischen Nebeneffekt: Man kann sie mit der Angst vor der Masse der anderen verknüpfen. Die anderen, das sind die Migrantinnen und Migranten […]
Nun. Manchmal denke ich mir, wenn ich einen Artikel lese „noch fünf Jahre, dann wird der Autor seine Meinung geändert haben“. Manchmal denke ich mir „eher zehn Jahre“. Manchmal denke ich mir: Erst wenn er merkt, daß der Unterschied zwischen Theorie und Praxis in der Theorie kleiner ist als in der Praxis und die Realität zuschlägt, oder wie einer dieser Denkschule einmal formuliert hat, „Mathematik ist grausam“, dann erst wird er Erklärungen suchen.
Aber dann wird es zu spät sein.
Und nein, Mathematik ist nicht grausam.
Ich bin ja großer Fan von Husserl und dem Sinnbegriff in der Phänomenologie. Ein schöneres Beispiel, daß Husserl recht hatte, als „Mathematik ist grausam“, gibt es fast nicht.
Es ist aber völlig klar, daß von Menschen, die das Problem nicht verstanden haben, auch keine Lösungen zu erwarten sind.
Was ich mich da immer frage: Was ist das Motiv? Ist es im Unbewußten zu suchen? Im Gefallen? Im „auf der richtigen Seite“ sein?
Bei dem Artikel und den vielen eklektizistischen Absätzen fragt man sich, wo ist eigentlich der rote Faden? Soll sich der Leser selbst irgendwie einen Reim machen oder denken „ah, so ist es“.
Gut, ich will nicht unfair sein, das ist eines meiner absoluten Spezialthemen. Ich forsche lange daran. Es ist gut, daß es überhaupt einmal thematisiert wird.
Daß man eine Soziologin zu Wort kommen läßt, aber die sozialökonomischen Folgen außer acht läßt, verwundert.
Daß das deutsche „Volk ohne Raum“ nicht geschichtlich ausführlich besprochen wird, ebenso.
Die Politik hatte schon immer ihre Moden, das ist klar. Für die Umwelt ist es ja gut, wenn weniger Kinder kommen. Warum dann aber Migration? Und warum ist „bunt“ eigentlich besser gewesen als „weiß-blau“? Wo ist denn das Motiv, was ist denn das Ziel, welches Problem soll denn jetzt gelöst werden? Am Ende offenbar die ungewollt kinderlosen weil ungebildeten Männer? Oder wie soll der Leser das verstehen? Läßt sich das denn auf Deutschland übertragen? Ich denke nicht. Wenn man ehrlich rechnen würde, vermute ich, dürfte die Fertilitätsziffer einer genuinen Deutschen der von Südkorea entsprechen oder sogar noch darunter liegen.
Die Aussage „Kinder sind zu einem Privileg der Wohlhabenden geworden“ ist in meinen Augen – zumindest für Deutschland – sachlich komplett falsch.
Seite 100, Hape Kerkeling. Seit „Der Has‘ ist unprofessionell“ hatte er bei mir 100 % full ack, das mag unfair gewesen sein, aber ist mir auch wurscht, denn ich habe es ihm durch seine „Corona-Maßnahmen“-Apologie wieder entzogen. Das mag auch unfair oder ungerechtfertigt sein, aber es ist letztlich, wie es war.
Seite 104, „Kultur“, „Die Lebenszeit-Vernichtungsmaschine“, von Lars-Olav Beier. Stark. Der Artikel könnte von mir sein. Bitte mehr von ihm. „Homeland“ habe ich nicht mehr bis zum Ende gesehen, inzwischen habe ich eine richtige Abneigung gegen Serien. Wie in der Wissenschaft, das „Least Publishable Unit“ als Veröffentlichung irgendwo untergebracht wird, ist es bei Serien sozusagen der „Least reasonable plot„, der irgendwie noch abgedreht wird. Über „House of Cards“ hat er nichts geschrieben, da würde mich seine Meinung interessieren, auch zu „Ted Lasso“. „Breaking Bad“ muß man gesehen haben in meinen Augen, zumindest die erst Staffel, alleine wegen der Cinematography. Und dem „I’m the one who knocks“, eine der legendärsten Szenen überhaupt imho. Ansonsten geht es mir wie ihm. Filme sind angesagt. Alte Filme. Drehbuch. Roter Faden dick wie Ankertau. „Dark Star“.
Dann über weite Strecken eher seichte Unterhaltung.
Fabelhaft aber die Statistik zum Verbrenner-Aus, S. 119, offenbar wurden 10357 Stimmen auf „spiegel.de“ abgegeben. Ich hoffe, daß es es methodisch halbwegs sauber durchgeführt wurde. 15 % stimmten offenbar zu bei der Frage „EU-Kommission will vom Verbrenner-Aus ab 2035 abrücken – gut so?“. Und fabelhafte 85 % dagegen.
Nun, damit ist alles gesagt.
Neulich unterhielt ich mich mit einem Nutzer von „LNG“. Er meinte, die Tankstelle sei oft defekt. Es gäbe noch eine andere in der Nähe. Die sei auch oft defekt. Dann müsse er zu noch einer anderen fahren und ansonsten durch die halbe Stadt. Es gäbe in ganz München nur noch vier. Umweltfreundlich sei das seiner Meinung nach nicht. Die Tankfüllung über 100 Euro. Jeden Tag müsse er tanken. Diesel wäre günstiger. Er beobachte die Entwicklung und seiner Meinung nach seien zwei größere Firmen inzwischen mit ihren Flotten weg von LNG. Ich meinte „in das Thema habe ich mich noch nicht eingearbeitet, aber es scheint mir so zu sein, daß Entscheidungen getroffen wurden, die sich als realitätsfern herausgestellt haben“. Er kam aus dem Kopfschütteln überhaupt nicht mehr heraus.
Nun, ich frage mich immer, was soll denn das Ziel sein? Deindustrialisierung, um „die Welt“ oder „das Klima“ zu retten?
Dann bitte einmal kurz recherchieren, wieviel Kohlekraftwerke China äh was rede ich, Indien, baut und ob das wirklich eine realistische sachliche und fundierte Handlungsweise ist?
Naja, und dann gibt es noch die Statistik (leider nicht in diesem Heft zu finden), nach der pro Tag 60 Unternehmen in Deutschland Insolvenz anmelden. Die Frage ist: Wer sagt es den „Spiegel-Lesern“? Oder F.M.? Die Menschen in meinem Umfeld glauben nach meiner Einschätzung wirklich, sie müßten es irgendwie „bis zur Rente schaffen“ und dann hätten sie irgendwie „ausgesorgt“. Wenn ich einwerfe: „Die Produktivität ist einfach nicht da. Egal, was alle sagen, ihr könnt es selbst ausrechnen, die Produktivität ist ja jetzt schon nicht da, wie soll sie denn da sein, wenn sich das Verhältnis Saldo-Steuerzahler zu Transferleistungsempfängern noch weiter verschlechtert und bei den Rahmenbedingungen die günstige Energie weggefallen ist und die Zukunftsfelder nicht mehr von Deutschland besetzt werden?“.
Dann bin ich wieder der „Miesmacher“, der „Verschwörungstheoretiker“, die „Unke“, der „Nicht-Wissenschaftler“.
Ich sage dann nichts mehr, weil es bei fast allen Deutschen meiner Meinung nach nichts bringt. Ich war in Danzig und habe die Stümpfe der ehemaligen Gebäude auf Bildern und in natura gesehen. Erst, als die Realität nicht mehr zu leugnen war, als die Lage aussichtslos war, fiel das Glaubensgebäude zusammen. Heute, wenn ich als alter „sapere aude“ Anhänger in meinem Umfeld frage, Kant kam aus Königsberg, wie heißt der Fluß? Es wußte einer bisher – und da war der Artikel falsch. Wer kennt heute noch Ostpreußen? Oder gar Westpreußen? Diese Geschichtslosigkeit der Deutschen verweist auch auf die Zukunft und jeder sollte sich überlegen, vor welchen Karren er sich spannen läßt.
Je älter ich werde, um so mehr frage ich mich übrigens, warum Kant gerade „Habe Muth“ geschrieben hat, sozusagen den Muth vorgeschaltet hat, statt einfach aufzurufen oder imperativ aufzufordern. Wer bis hierhin den ganzen gelesen hat, den lade ich auf ein Bier ein, um dies mit mir zu erörtern.
Auf der Rückseite noch eine Werbung der Sparkasse, „s broker“, „Einfach handeln“. Offenbar eine App. Ich frage mich da immer, warum wurde eigentlich die „Geldkarte“ eingestellt? Ich möchte eigentlich nicht „einfach handeln“, sondern eine einfache „PayPal“-Alternative. Somit meine Einschätzung: Am Markt vorbeientwickelt und den Spruch der Werbefigur „“Aktien ohne Ahnung: zocken. / Aktien mit Ahnung: rocken.“ verstehe ich nicht, vielleicht bin ich auch zu alt, aber keine Sorge, es ist nicht so deep.