In meinen Augen haben die Deutschen den Ernst der Lage noch nicht erkannt. Wie in so vielen anderen Bereichen auch (mein Lieblingsbeispiel: Deutsche Bahn) haben 90 % der Deutschen eine etwas verzerrte Wahrnehmung der Realität.

Aber – empirisch unangreifbar, ähnlich wie die PISA-Studienergebnisse – der deutsche Fußball kann nicht mehr mithalten. Das nicht erst seit heute, sondern vor einigen Jahren ging es los.

Als erstes muß man fragen: „Was ist das Ziel?“. Wenn die Politisierung des Fußballs das Ziel ist, „One Love“ und Fairness-Weltmeister, muß man im zweiten Schritt fragen, warum die Deutschen im letzten Spiel gegen Paraguay (Sechzehntelfinale) doch körperbetonter gespielt haben. Oder auch die Szene mit dem angeblich aberkannten Tor. Der deutsche Spieler hält den Torwart eindeutig am Trikot fest. Ich habe es mir im Standbild mehrmals selbst angeschaut. Ich halte die „Final decision: Foul“ für richtig. Ich verstehe nicht, warum hier diskutiert wird. Auch in meinen Augen ein Beispiel dafür, daß 90 % der Deutschen die Realität nicht mehr als solche wahrnehmen können. Der Torwart ist in meinen Augen im Fünf-Meter-Raum sakrosankt. Ansonsten könnten zwei Spieler grundsätzlich den Torwart blocken – wenn ich Schiedsrichter bin: Grundsätzlich pfeife ich das. Wenn das in England erlaubt ist: Gut. Mit vielen Entscheidungen in England der letzten Jahre (Fall Nowak – nur dank Elon Musk wurde das Polizei-Video veröffentlicht, „grooming“-Skandal – nur durch indische Zeitungen wurde das Ausmaß öffentlich) oder USA (rote Karte aberkannt) gehe ich nicht konform.

Es muß nicht unbedingt einen klassischen „Spielmacher“ geben. Ich verstehe auch, warum Kimmich rechts hinten gespielt – weil es für diese Position ansonsten offenbar niemand gab.

Ich war bei Auswahlspielen in Leistungszentren dabei. Meiner Meinung nach fängt das Problem hier an. Welche Spielertypen werden gefördert? Individualisten, vermeintliche „Anführer“, Stürmer und Torschützen.

Was sollte in meinen Augen gefördert werden? Persönlichkeitsstarke Spieler, charakterstarke Spieler, Zug zum Tor, Spielübersicht, Gefühl für den Raum, Position halten können, Vororientierung, Überblick, nicht impulsgeleitet.

Bei der WM habe ich mehrere Tore gesehen, die ich seit meiner eigenen Spielzeit immer abgelehnt habe, jetzt aber in Frage stelle:

  • „kurzes Eck ist Torwarteck“: Mehrere Tore ins kurze Eck, die der Torwart nicht hatte. Beim Training sagte ich immer „schießt ins lange Eck oder paßt“. Das sage ich nicht mehr, beim letzten Training meinte ich „auch kurzes Eck ist erlaubt“.
  • schwacher Fuß. Bei der WM habe ich mehrere Spieler gesehen, die mit dem Außenrist schossen, statt mit dem schwachen Fuß. Meine Erfahrung ist, daß ich tausendmal sage „ihr müßt den schwachen Fuß stärken, wir können das nicht im Training machen, das müßt ihr selbst machen“ und der schwache Fuß wird irgendwie immer schwächer. Schon vor der WM bin ich dazu übergegangen, lieber Außenrist zu üben.

Beim deutschen Fußball muß es in meinen Augen folgende Änderungen geben:

  • weg vom „woke“
  • weg von Zweit- oder Drittzielen: Es geht um den Sport, also um Fußball. Es geht nicht um Umerziehung, „One Love“, Besserwisserei, „moralische Überlegenheit“, politische Ziele, Instrumentalisierung des Fußballs etc.
  • Nachwuchs: ehrenamtliche Trainer müssen den Mindestlohn erhalten.
  • Schiedsrichter: es muß völlig klar sein, daß der Verband hinter dem Schiedsrichter steht. Schiedsrichter müssen den Mindestlohn erhalten.

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