Mir liegt vor: Die Ausgabe von 1948, „Axel Springer Verlag“.
Vor dem Inhaltsverzeichnis steht:
Berechtigte Übertragung ins Deutsche: Dr. Franziska Meister
Titel der englischen Originalausgabe: „The Gladiators“
Erstausgabe 1939 bei Jonathan Cape Ltd., London
Einbandentwurf: Hans Hermann Hagedorn – Schutzumschlag: Martin Block
und weiter unten auf der Seite:
Alle Rechte an der vorliegenden Ausgabe und an der Übersetzung:
Axel Springer Verlag G.m.b.H., Hamburg
Gesamtherstellung: Gerhard Stalling AG., Oldenburg (Oldb)
Printed in Germany September 1948
Somit wirtschaftlich und politisch eine sehr spannende Zeit, mehr oder weniger direkt um Die Währungsreform und die Anfänge der Staatsgründung der BRD.
Der Umschlag ist fest. Es ist ein Gladiatorenhelm abgebildet. Sehr minimalistisch.
In meiner Jugend habe ich das Buch „Die Sonnenfinsternis“ gelesen, seitdem gehört der Autor zu meinen bevorzugten Schriftstellern.
Das Buch wurde aus dem Englischen übersetzt.
Das Inhaltsverzeichnis erstreckt sich über zwei Seiten. Das Buch ist aufgeteilt in vier „Bücher“.
Die Vorbemerkung:
Die unter dem Namen
Sklavenkrieg oder Gladiatorenkrieg bekannten historischen Ereignisse
fanden in den Jahren 73 bis 71 vor Christi Geburt statt
Insgesamt sind es 315 Seiten. Das dritte Buch beginnt auf Seite 155 – wohl nur im Deutschen, mehr oder weniger in der Mitte.
Das Werk liest sich flüssig. Es hat keine Längen. Es gibt einen allwissenden und „mitfühlenden“ Erzähler. Vieles wird in direkter Rede wiedergegeben. Den Figuren werden Gedanken, philosophische Abhandlungen und Standpunkte in den Mund gelegt. Es gibt keine ausgearbeitete weibliche Heldin. Auffällig ist, daß Vorbereitungen und Absprachen ausführlich geschildert werden, aber dann die einzelne Schlacht in wenigen Absätzen abgehandelt wird – sozusagen „und wieder 2000 tot“. Das ist ein Stilmittel, das ich so bisher zu dieser Zeit nicht kannte und ich vermute, A.K. saß auch im Latein-Unterricht und war die ausschweifenden Schilderungen leid, bis endlich die auxilia kamen. Die Schriftart ist recht klein, eine ausgesprüchen schöne Serifenschrift. Der Buchdruck ist 1a, man merkt gut, was durch den Offsetdruck verlorenging. Einen offensichtlichen Rechtschreibfehler habe ich nicht finden können. Aber den einen oder anderen etwas holprigen Übersetzungsfehler (z.B. „muß nicht“ statt „darf nicht“).
Seite 9: „VORSPIEL / DIE DELPHINE“
Das Buch beginnt mit:
Es ist noch Nacht.
Noch hat kein Hahn gekräht.
Quintus Apronius jedoch, der Erste Schreiber des Marktgerichtes, ist daran gewöhnt, daß Schreiber sich früher als die Hähne zu rühren haben.
Es folgt eine Beschreibung und dann auch eine zeitliche Einordnung:
es sind erst fünf Jahre seit dem Tode des großen Diktators Sulla vergangen, und schon ist die Welt aus den Fugen. Sulla, das war der rechte Mann, der verstand Ordnung zu schaffen und den Pöbel unterm Absatz zu halten. [S. 10]
Wenn man im Hinterkopf die Zeit der Entstehung hat, sind die Parallelen eigentlich schon klar.
Es gibt auch Anspielungen:
[…] in Rom ist man schon längst zu dem System kostenloser Spiele übergegangen, die von ehrgeizigen Politikern zum Wahlstimmenfang veranstaltet werden. [S. 11]
Das Buch hat einen gewissen Witz. So ist er „Schriftführer eines Geselligkeits- und Bestattungsvereins“. (S. 12).
Man muß sich die Stelle selbst durchlesen, welche Strafen es gibt, wer Streit beginnt, vier Sesterzen, wer den Vorsitzenden beleidigt, zwanzig.
Vielleicht auch eine Anspielung auf Kafka, „Säuberlich stapelt er die Akten und Urkunden aufeinander“ (S. 13).
Dann kommt schon die Rede auf die Gladiatoren, der Unternehmer „Lentulus“, der in der Stadt „Capua“ seit zwei Jahren ist.
Es wird auch der „Verschleiß“ ausgerechnet, „fünfzig Prozent“. Außerdem hat Lentulus ein Problem, denn „siebzig seiner besten Gladiatoren seien ihm in der Nacht davongelaufen“ (S. 16).
Und „Crixus, mein gallischer Gladiatorentrainer“ (S. 18), „ein düster blickender, schwerer Mann mit einem Seehundskopf“. Es werden einige aufgezählt, darunter auch „Spartakus, ein ruhiger sympathischer Typ, der immer so ein hübsches Fell um seine Schultern trug“. Insgesamt „erstklassiges Material“. Eigentlich wollte der Schreiber eine Freikarte. Also, wie gesagt, ein sehr feiner Humor.
ERSTES BUCH / DER AUFSTIEG 21
- Das Gasthaus an der Via Appia 23
Es wird geschildert, wie die Gladiatoren Soldaten besiegen, über das Gasthaus Unheil bringen, in das sie einkehrten und die Figuren werden weiter ausgearbeitet. In direkter Rede.
Die Gallier wollten Crixus zum Anführer haben, alle andern waren für Spartakus. Schließlich einigte man sich auf beide. [S. 32]
Eine Diskussion, auf die später immer wieder zurückgekommen werden wird, entspann sich auf S. 34. Crixus und Spartakus könnten gemeinsam fliehen, schlug ersterer vor. Spartakus lehnte ab.
„Ja, später, wenn wir alle aufgehängt sind“, sagte Crixus.
Hier begann schon das Morden. Dann zogen sie los, einige schlossen sich schon an, andere blieben zurück. „Sie zählten jetzt über hundert.“ (S. 35)
2 / Die Banditen 35
3 / Die Insel 40
Sie waren jetzt eine Bande von mehr als dreihundert Männern und etwa dreißig Frauen.
Fast wie in einem Platon-Dialog wird der „Lehrer und Rhetor Zosimos“ eingeführt (S. 45).
4 / DER KRATER 49
Sie ziehen weiter durch die Lande. Die Römer hinter ihnen her.
Man denke nur an Marcus Crassus zum Beispiel. Er hatte sich niemals durch kriegerische Taten ausgezeichnet, sondern Dutzende von den Gegnern des Sulla an des Diktators Galgen gebracht, worauf er jeweils ihre Güter einsteckte und dadurch den Grund zu seinem märchenhaften Reichtum legte. [S. 50]
Nach vielen Diskussionen und Absprachen wurde eine List ausgeheckt, wie sie aus dem Schlund des Vesuvs ausbrechen könnten. Dann, in der schon lapidaren Kürze:
Die Niedermetzelung der Armee des Prätors Clodius Glaber fand in der Nacht nach dem zehnten Tage der Belagerung statt. [S. 61]
5 / DER MANN MIT DEM KUGELKOPF 64
S. 66, ein Beispiel für eine verbesserungswürdige Übersetzung: „Wir hatten solchen Mann dort draußen…“ [„einen“].
Auf Seite 71 erklärt sich der „Essener“, es werden abgearbeitet:
„Es steht geschrieben: ‚Es gibt vier Arten von Menschen. Die ersten sagen: Mein ist mein und dein ist dein: das ist das Volk der Mittelklasse, oder, wie mache sagen, von Sodom. […]“ [S.71]
Philosophisch mit eines der stärksten Kapitel des Buches – und vom Essener erfährt Spartakus auch von der historischen Blaupause des „Sonnenestaats“ mit dem Ergebnis schon damals: „Zwanzigtausend wurden gekreuzigt., in Sizilien wuchsen bald mehr Kreuze als Bäume; und an jedem Kreuz hing ein Sklave und verfluchte sterbend Eunus den Syrer und Kleon den Makedonier […]“ (S. 76).
Seite 81, ZWEITES BUCH / DAS GESETZ DER UMWEGE
Z w i s c h e n s p i e l: Die Delphine 81
Die Delphine ist der Code für eine Räumlichkeit, in der man mehr oder weniger nebeneinander den Auswurf abwartet.
Rufus wird eingeführt, der sich „den Gefilden des Weizenimports zugewandt“ hat. (S. 82).
Es folgt ein kleiner volkswirtschaftlicher Exkurs, auch zur Spekulation, und die „Asiatische Steuereinnehmer-Gesellschaft“ (S. 84). Angeblich war Ciceros Geliebte Cerellia hier auch „finanziell sehr stark interessiert“ (S. 85).
- Die Versammlung 88
- Die Vernichtung der Stadt Nola 98
- Der gerade Weg 111
- Der Umschwung in Capua 116
- Umwege 123
- Die Abenteuer des Advokaten Fulvius 133
- Die Chronik des Advokaten Fulvius 143
DRITTES BUCH / DER SONNENSTAAT
- Hegio, ein Bürger der Stadt Thurium 155
- Der Einzug 163
- Das neue Gesetz 168
- Das Netz 172
- Der Neuankömmling 181
- Weltpolitik 192
- Die Sehnsucht 201
- Die kleinen roten Adern 208
- Die Zerstörung der Stadt Metapontum 214
- Die edlen Gründe 218
- Der Wendepunkt 225
- Das Ende des Sonnenstaates 232
- Der Wunsch zu bleiben 240
VIERTES BUCH / DER NIEDERGANG
Z w i s c h e n s p i e l: Die Delphine 247
- Die Schlacht am Garganus 250
- Abwärts 263
- Grabmäler 270
- Die Unterredung 275
- Die Schlacht am Silarus 293
- Die Kreuze 304
N a c h s p i e l: Die Delphine 311