Die Fahrt mit dem „Frecciarossa“ verlief an sich relativ einfach, allerdings
- wurde sehr lange das Gleis nicht angezeigt
- wurde unsere reservierten Plätze zwangsweise geändert, von „Executive“ in „Business“ – und alle Plätze waren dann gegen die Fahrtrichtung. Auf meine schüchterne Anfrage hieß es, ich solle mit dem Zugchef sprechen, der kam aber nie. Das hatte zur Folge, das ich das letzte Drittel der Fahrt stand, um das Unwohlsein abzufedern. Die Züge
Der Bahnsteig in Venedig ist tipp topp. Es ist auch eine sehr hohe Polizeipräsenz vorhanden, sowohl zu Fuß im Bahnhof, als auch im Fahrzeug. Was für München immer wieder angekündigt wurde und wird, ist hier offenbar schon umgesetzt.
Der Bahnhof in Florenz ebenso. Ein Kopfbahnhof. Hier hätte man sich Anregungen für den Münchner Bahnhof holen können. Aber ich sage schon seit langem, von Personen, die das Problem nicht erkennen, ist auch keine Lösung zu erwarten. Offenbar ist die Ästhetik oder das ästhetische Empfinden bei den meisten Deutschen nicht mehr vorhanden. Anders kann ich mir das gar nicht erklären, daß auch in der Umbauphase der Münchner Bahnhof im Grunde nachts zur „no go area“ wurde, überall, wirklich überall der Müll herumliegt, seltsame Gestalten die Bahnhöfe bevölkern, dort ganz offensichtlich übernachten oder eigentlich behandelt werden müßten. Wer mir nicht glaubt, dem zeige ich das gerne und führe ihn ab 22 Uhr an den neuralgischen Punkten herum.
Das erste Mal bin ich in Florenz auch durch einen langen Gang gegangen, der links und rechts und oben mit Fernsehern ausgekleidet war. Die Videos, die liefen, waren zwar auf alle Bildschirme abgestimmt, aber man merkt, es ist noch ganz neu. Es hat mich etwas an „Sphere“ in Las Vegas erinnert, aber nicht ganz so auschoreographiert. Der Bildschirmgang befindet sich auf dem Weg vom Hauptbahnhof in Richtung Zentrum, also sozusagen geradeaus durch.
Was sofort auffällt: Wie in Venedig Touristen ohne Ende. Sehr viele Amerikaner, sehr viele Spanier, sehr viele Deutsche, einige Asiaten, kaum Franzosen.
Die Stadt ist bombastisch. Gegenüber früher wäre mein Eindruck, den ich aber nicht belegen kann, noch mehr Fußgängerzonen und noch mehr stark verkehrsberuhigte Zonen. Da, wo die Autos fahren dürfen, wird aber gebrettert, auch, wenn es regnet und naß ist.
Von dem Hotelermitarbeiter erhielten wir jede Menge „Geheimtipps“.
Wie es sich gehört, gingen wir gleich zu einer der David-Kopien. Ein absoluter Magnet, der Verkäufer für „Selfie-Sticks“ sprach uns schon an. Ganz neu sind Teile, die man mit einer Zwille abschießen kann, die blau leuchten und dann herunterkreiseln. Zwei Euro das Stück. Diese Verkäufer gibt es immer noch.
Wie letztes Jahr schon, das „Stadtbild“ ist kein Vergleich zu Deutschland. Die Stimmung ist auch viel ausgelassener. Die Straßen sind voll, die Menschen geschäftig, der soziale Abstand wie in Deutschland, man wird überholt und angerempelt, überall auch die „Pickpocket“-Schilder, ich weiß nicht, ob es System hat.
Man sieht sehr wenige Kinder, auffällig wenige, wenn man beginnt, darauf zu achten. Italien hat auch definitiv ein demographisches Problem in meinen Augen – oder, je nachdem, wie man es sieht, vielleicht ist dies ja auch ein Ziel der Politik. Ich habe auch eine Obdachlose gesehen, im Tunnel des ÖPNV, mittelalt, mit Hund, evtl. auch nicht „richtig“ obdachlos, sondern eine Art selbstgewählter Lebensentwurf. In München habe ich mich einmal länger mit einer Obdachlosen unterhalten, sie hatte noch das erste Staatsexamen in Jura geschrieben, in Hamburg. Das kam erst nach einer Weile des Gesprächs heraus, weil ich wegen ihres aktiven Wortschatzes nachfragte. Der Grund war auch hier der Verlust der Wohnung. Nun, ich kann nur immer wieder sagen – und das habe ich ihr auch gesagt – 70 % arbeiten gegen sie und das sind einfach zu viele. Sie wollte nicht zu einem Wärmeraum, so habe ich ihr einen Tipp gegeben.
Nun weiter zu Florenz: Man sieht auch offensichtlich arme Menschen.
Sehr gut gegessen, in einem Keller, angeblich der frühere Weinkeller, auch ein Geheimtipp des Hotelmitarbeiters. Der Wein ist nicht unbedingt empfehlenswert, aber das Essen ist gut, der Limoncello 1a.
Das Hotel war mehr oder weniger direkt neben der Kathedrale. Dort war noch bis in die späte Nacht halli-galli, es wurde Musik gemacht auf der Straße. Diese Art von Nachtleben würde ich in vielen Teilen Deutschland aufgrund der Sicherheitssituation – vielleicht ist es aber auch nur mein Empfinden – schon lange nicht mehr empfehlen. Es ist jedenfalls auffällig, daß derart viele Frauen zu so später Stunde noch nachts unterwegs waren.
Um 23.09 immer noch Toto, elektronisch verstärkt.