Aufgrund eines guten Angebots habe ich eine BahnCard gekauft – seit langem einmal wieder. Früher hatte ich die BahnCard 50 First, über lange Jahre, aber irgendwann bin ich aufgrund der ständigen Verspätungen und der Sicherheitslage auf das Auto umgestiegen.
Egal, jetzt also wieder eine BahnCard und dann kam „Fehler beim Laden“ und „Das Laden ihrer BahnCard hat leider nicht geklappt. Bitte versuchen Sie es noch einmal“.
Online kam, also nicht in der „App“, sondern auf der „WWW-Seite“: „Anzeige der BahnCards derzeit nicht verfügbar“ mit „Aktuell liegt leider ein technisches Problem vor. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.“.
Wenn man weiß, wie sich die Bahn verhält, wenn der Kunde aufgrund von Batterie- oder Netz-Problemen seine Fahrkarte nicht vorzeigen kann, frage ich mich, wie es sein kann, daß man bei derartigen Problemen der Bahn als Kunde nicht reziprok auch ein „erhöhtes Beförderungsentgelt“ geltend machen kann und automatisch 60 Euro erhält.
Aber gut, viele haben diese Problematik noch nicht erkannt, es wird wohl eine Weile dauern und dann werden diese Rechte – von den USA kommend – auch bei uns eingerichtet werden. Wie auch bei dem „Melania Act“. Aber ich schweife ab. Ich bin immer wieder verblüfft, wie unglaublich schlecht viele Deutsche informiert sind.
In meinen Augen ist das jedenfalls eine derart zentrale Funktion, das muß einfach funktionieren. Wenn es auf dem einen Weg nicht geht, muß die Bahn eine zweite Zugriffsmöglichkeit anbieten in meinen Augen, z.B. über eine E-Mail an „bahncardstatus@bahn.de“ mit der Absenderadresse der Registrierung und der *sofortigen* Antwort. Oder der Schaffner (ja, nicht „Zugbegleiter“) kann dies selbst mit seinem Gerät prüfen, welchen Status ein Kunde über seine E-Mail hat.
Egal.
Also weiter zum Nachtzug nach Venedig. Er fuhr am Ostbahnhof ab.
Ich weiß nicht, ob er das immer tut oder ob das an der Stammstreckensperrung dieses Wochenende lag.
Jedenfalls wurde mir um 23.47 Uhr angezeigt, der Zug führe nicht um 23.53 Uhr, sondern um 00.52 Uhr erst ab.
Als ich bei der „DB Auskunft“ nach dem „Nj 237“ fragte, sagte er, Gleis 8, nach Venedig Bahnsteig E, ich habe gerade mit der Streckenleitstelle (?, oder ich habe es falsch verstanden) telefoniert, er hat eine kleine Verspätung, aber um Mitternacht wird er da sein.
Zwei Mal habe ich gesagt „laut Internet nicht“ und ein Mal um einen Ausdruck gebeten, den er nicht für mich durchgeführt hat.
Man muß wissen: Die Temperaturen näherten sich dem Gefrierpunkt, es begann dann auch zu graupeln. In den Wartehäuschen kann man sich kaum mehr aufhalten, weil fast direkt vor den Augen der Polizei (es war ein Polizist in voller Montur da) ganz ostentativ geraucht wird. So ist das heutzutage, der Verfall des „Anstands“ und der guten Sitten oder generell des Verhaltens in der Öffentlichkeit.
Also: Wir warten. Eine Mutter mit zwei Kindern sagt immer „positive Stimmung ausstrahlen“ und zu einem Kind: „wenn Du noch einmal sagst, wann der Zug kommt, bringe ich Dich zum Papi“.
Nun denn.
Um 23.47 wurde in der „App“ angezeigt, der Zug sei um 22.50 Uhr in Augsburg losgefahren und befände sich kurz hinter Augsburg. Ankunftszeit in „München Ost“: 00.10 Uhr.
Um 00.11 Uhr wurde angezeigt, der Zug befände sich kurz vor „München Ost“ und wäre um 00.21 Uhr da.
Um 00.25 Uhr wurde angezeigt, der Zug sei bereits hinter München, um 00.23 Uhr angekommen und um 00.24 Uhr weggefahren.
Es kam um diese Zeit ein Regionalexpreß nach Salzburg, ein recht langer Zug.
Einige Fahrgäste waren auf dem Bahnsteig geblieben und wurden unruhig.
Ich ging dann zu einem anderen Wartenden und er konnte das bestätigen, „ich habe auch die App“, aber jetzt stünde da: 00.38 Uhr käme er.
Um 00.27 Uhr war auf der Bahnsteiganzeige kein Hinweis mehr auf den Zug. Der nächste Zug zum Flughafen um 1.05 Uhr und „heute auf Gleis 7“ eine S-Bahn um 00.25 Uhr, auch zum Flughafen.
Um 00.30 Uhr wurde wieder in der „App“ angezeigt: Der Zug sei noch vor München und käme um 00.31 Uhr an.
Warum ich dies so ausführlich schreibe?
Weil dies aus meiner Sicht auf die IT auf gar keinen Fall vorkommen darf!
Eine „Echtzeit“-Anzeige darf nicht vorausrechnen. Das passiert hier ganz offensichtlich.
Der neuen Bahn-Chefin habe ich viel Vorschußlorbeeren gegeben.
Sie hat die ersten 100 Tage hinter sich. Das geht langsam auf ihre Kappe.
So etwas darf in meinen Augen einfach absolut nicht passieren. Ich weiß nicht, wer das programmiert hat, aber, wenn ich Chef wäre, würde ich die gesamte Abteilung auflösen und auch bis zu zwei Führungsebenen.
Und diesem Fehler auf den Grund gehen, wer hat das programmiert, wer rechnet voraus?
Meine These ist schon seit langem, daß die Bahn vor etwa vier Jahren eine andere Gruppe die „App“ und die Internet-Seite programmieren läßt. Denn vorher war das in meinen Kursen immer ein Beispiel für „gute“ Programmierung, beides, sowohl die „App“ als auch die „WWW-Seite“. Jetzt ist es ein Beispiel für schlechte Programmierung. Offenbar hat das nie jemand getestet. Auch die Automaten sind eine Katastrophe in meinen Augen. Wenn ich am Gleis 8 als Ziel „Venedig“ eingebe, kommt Venedig nicht, vorher muß ich „auch internationale Ziele“ einschalten.
Testet denn hier niemand? Was ist aus dem guten alten „Pretest“, der „Feedback-Schleife“ und überhaupt der Kybernetik geworden? Wird das an den Universitäten nicht mehr gelehrt?