Vorweg: Den „Merkur“ habe ich lange für eine der besten Zeitungen gehalten. In letzter Zeit schwächelt er in meinen Augen etwas, warum, weiß ich nicht, die „tz“ hat ihn nach meinem Eindruck überholt in den letzten Monaten.
Hauptschlagzeile: „Sorge um 16 ICE-Bahnhöfe“, „Gewerkschaft warnt vor Kürzungsplan – Aus für Augsburg und Ingolstadt?“. Betroffen wären laut der „EVG-Analyse“: Aachen, Augsburg, Bamberg, Chemnitz, Cottbus, Freiburg, Ingolstadt, Jena, Magdeburg, Münster, Norrdeich Mole, Osnabrück, Rostock, Saarbrücken, Schwerin, Singen. Ein Drittel aus Mitteldeutschland.
Nun, es kommt genau so, wie ich es vorhergesagt habe.
Bei jeder Leitungsposition besteht die Gefahr der Verzettelung. Ich kann in Deutschland nicht erkennen, was eigentlich „Chefsache“ ist. Meiner Meinung nach – wenn ich Bundeskanzler wäre – wäre der Zustand der Deutschen Bahn absolute Chefsache. Die Bahn würde ich eher ausbauen. Die gesamte Privatisierung würde ich auf den Prüfstand stellen, rückwirkend klar die Kosten aufzeigen, auch der ehemaligen Beamten der Deutschen Bahn.
Weiterer Artikel: „Auch europäisches Panzerprojekt auf der Kippe“, der erste Absatz. „Nach dem Aus des geplanten deutsch-französischen Kampfflugzeugs…“. Hier das gleiche: Als Kanzler wäre für mich die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich Chefsache. Daß dieses Projekt gescheitert ist, spricht Bände. Daß es kaum jemand kommentiert, ist in meinen Augen ein Symptom der Zeit, in der viele mit sich selbst beschäftigt sind und den epochalen Wandel, in dem wir uns befinden, nicht mehr erkennen können. Es zerbricht gerade die Nachkriegsordnung. Es finden innere Grabenkämpfe statt. Der schlimmste Feind ist der von innen. Wir haben aber eine Leitungsebene, die nicht erkennen kann, wohin dies führen wird. Die Geschichtslosigkeit ist in meinen Augen frappant. Eigentlich müßte man in jedem Studienfach – gerade in Deutschland – zwangsweise einen Schein „Geschichte“ machen müssen. Im Rückblick und bei Beobachtung der Schulen muß ich sagen, der Geschichtsunterricht ist an sich gut und auch wichtig, aber die meisten Kinder sind in dem Alter dafür noch nicht empfänglich, weil sie die Zusammenhänge nicht erkennen. Und im Erwachsenenalter – 90 % meines Umfelds erkennen die Zusammenhänge auch nicht, wenn ich sie ihnen erkläre. Was genau hat Deutschland z.B. bei „bedingungsloser Kapitulation“ nicht verstanden? Es wird eine Reaktion geben, das liegt in meinen Augen auf der Hand.
Seite 2, „Söders Rat: Nicht heulen“. Ein langer Artikel, mir ist nicht klar geworden, was er eigentlich inhaltlich will. Da frage ich mich, ob das Engagement für die Autoindustrie ein inhaltlicher Punkt war oder eher eine Demonstration. In meinen Augen müßte Bayern schon lange einen Sonderweg gehen, denn es ist für mich offensichtlich, daß der Bund die Probleme, die er mit „2015“ und weiteren großen Entscheidungen hervorgerufen hat, nicht mehr lösen kann, weil einfach nach meiner Einschätzung das entsprechende Personal fehlt und auch der politische Wille. Auch der Länderfinanzausgleich müßte in meinen Augen sofort abgeschafft werden. Er schadet eher, als daß er nutzt.
Seite 3, „Warum Schnarchen auf Dauer krank macht“ und „Guter Schlaf: Das sind die neun häufigsten Irrtümer“. Zwei gute und wichtige Artikel. In meinen Augen wird Schlaf komplett unterschätzt. Deshalb bin ich auch für die Wiedereinführung der abgeschafften Feiertage. Der Staat schadet sich letztlich selbst, wenn er „mehr Leistung“ will, aber die Menschen einfach nicht mehr können. Es ist erschreckend, wie viele in meinem Umfeld zu mir sagen, sie seien „ausgebrannt“, es würde ihnen „alles zuviel“, das Leben sei „zu kompliziert geworden“. Der Mensch braucht Ruhepausen. Wenn ich Bundeskanzler wäre oder bayerischer Ministerpräsident, würde ich die abgeschafften Feiertage alle wieder einführen.
Seite 4: ‚Führer, Führer“: Neue Rechtspartei in Italien‘: Auch, wie von mir vorhergesagt. Eine sehr bedenkliche Entwicklung.
Seite 5, „Schweiz verwirft 10-Millionen-Grenze“: Sehr knapp, 45:55 offenbar. Ich kann dazu wenig schreiben, weil ich nie gelesen habe, wie genau die Grundgesamtheit der Wählenden sich zusammensetzt.
Seite 6, „Harter Wettbewerb im Bierregal“. In meinen Augen ist hier nur verwunderlich, wie wenig Marktforschung die Brauereien offenbar betrieben haben. Durch den demographischen Wandel – hier meine ich den Punkt Migration – wird Deutschland nach meiner Einschätzung ein Drittel seiner Brauereien verlieren. Das ist ganz offensichtlich politisch so gewollt gewesen und der Wähler hat es immer wieder bestätigt.
Seite 7, „Münchner Feuerewache im All“: In meinen Augen lange überfällig. Bayern hätte schon lange eine eigene Raumfahrtbehörde gebraucht. Es kostet nicht mehr viel, einen Satelliten zu plazieren. Nur: Wer sich um „Bunt“ kümmert, hat halt keine Zeit mehr für einen weiß-blauen Satelliten. Ein Punkt, den ich immer wieder angesprochen habe, auch zu den „Corona-Maßnahmen“. Man muß sich immer wieder bewußt machen, wie viel Management-Kapazität das kostet. Wenn ich mich um die Sozialversicherung für Familienmitglieder von „Gastarbeitern“ kümmere, habe ich keine Zeit, z.B. mit Namibia oder Tansania über einen bayerischen Weltraumflughafen zu verhandeln.
Seite 8, „Marmelade heißt jetzt Marmelade“. Ein sehr witziger Artikel, ich wußte auch nicht, daß das eine Bedingung der Engländer für den EU-Beitritt war, und jetzt auch wieder rückabgewickelt wurde. Die gesamte EU ist meiner Meinung nach in ihrer Konzeption ein Irrweg. Jeder Geschäftsmann weiß, wie komplex es ist mit EU-Umsatzsteuern und „Export“ in die EU-Länder mit Müllentsorgung und sonstigen Gesetzen. Die Idee war gut, „es war viel schönes bei“, aber spätestens mit dem Verkauf von Staatsbürgerschaften ist die EU für mich als politisches Projekt kein Leuchtturmprojekt mehr.
Sehr gut halte ich auch, daß bei Honig nun die Herkunftsländer aufgeschrieben werden müssen. Ich wollte eigentlich imkern, war auch in einem Kurs, wollte auch eine Imkerei übernehmen, aber in Bayern war ein Bio-Imker nicht förderfähig. Somit habe ich dieses Geschäft wieder aufgeben müssen. Ich weiß nicht, ob das immer noch so ist, aber mir war klar, „da fehlt’s vom Boa weg“, wie man so sagt. Versteht heute eh niemand mehr.
Seite 10, „Streckensanierung: Züge ausgebremst“. Wie gesagt, bei mir wäre es Chefsache. „Die zweigleisige Strecke, eine wichtige Verbindung nach Österreich, ist komplett gesperrt“. Offenbar bis 12. Dezember. Bei mir gäbe es keine kompletten Sperrungen. Es gibt, das weiß man als Schachspieler und als Judoka, immer eine andere Möglichkeit. Bei mir gäbe es Schwerpunkt, Sanierungen: Eine Woche pro Bahnhof – offenbar werden acht Bahnhöfe saniert, aber mit der gesamten Arbeitskraft. Ich würde auch die TU beauftragen, einmal ehrlich die Lebensdauer der Betonschwellen zu erforschen. Ich würde nach meinem jetzigen Kenntnisstand wieder auf Holzschwellen setzen – und zehn Loks beauftragen, die nur mit Akku fahren. Dann kann man sich die Oberleitungen sparen. Ein „single point of failure“, wie man in der IT so sagt. Und ich würde alle Strecken zweigleisig ausbauen.
Auf der gleichen Seite, 10, „Die Lebensretterin aus dem Supermarkt“. Ich schlage Franziska Klimm für eine Auszeichnung vor. Hut ab und auf! Und auch vor dem Rettungsdienst. Es gibt auch gute Nachrichten in der jetzigen Zeit!
Seite 10, „Neuaufstellung bei den Gedenkstätten“. Hier fehlt mir der Einblick, ich kann es nicht beurteilen, der gesamte Fall kommt mir seltsam vor. Ich empfehle hier immer, einmal zu recherchieren, wer eigentlich „Häftling Nummer 1“ war in Dachau. In meinem Umfeld weiß es – auch von den formal höchstgebildeten – kein Mensch. Und man beachte den Zusammenhang mit der heutigen Zeit, vor allem in England. Ich fordere schon lange die Benennung von Straßen nach ihm.
Seite 11, „Dachbox öffnet sich auf Autobahn“, hier würde ich gerne mehr zur Unfallursache wissen.
Auf der gleichen Seite, „Hilfe für Düngerkauf“, „EU will Landwirten Geld vorstrecken“, offenbar 500 Millionen Euro. Wie ich es vorhergesagt habe. Bitte nachlesen: „Haber-Bosch-Verfahren“. Dann nachdenken. Der Abstieg Deutschlands bei der naturwissenschaftlichen Allgemeinbildung ist in meinen Augen atemberaubend. Aber es hat „consequences“.
Seite 14, Traueranzeigen, 29 Einträge. Rekord, mit anderen: 95, ein Kollege: „Sörgel, Artur Konrad Werner, Soziologe“. Ein kurioser Fall: „unbekannt (vormals M…), unbekannt (vormals Rudi). Ich weiß nicht recht, was das bedeuten könnte.
Seite 15, Leserforum. Diese Seite war in meinen Augen schon immer eine der besten beim Münchner Merkur. Das macht auch Mut. Die Leserschaft entstammt nicht zu 100 % aus Wokistan, wie nach meinem Eindruck bei den meisten deutschen Zeitungen. Mir ist nie klar geworden, wie man glauben kann, daß das gleiche Personal, das die jetzige Krise hervorgerufen hat, dies lösen können soll?
Wie immer, ein sehr guter Kulturteil, ich gehe nicht darauf ein, jedenfalls ein Grund, die Zeitung zu kaufen!
Jetzt aber der eigentliche Grund für die Besprechung dieser Ausgabe:
Seite 23, „KI-Ärger für Bundesminister“ / „Wildbergers Reden und Artikel entspringen Künstlicher Intelligenz“.
Man kann ja witzeln und schreiben „Der zu digitale Minister?“ – bei der Bildunterschrift. Offenbar hat die „Zeit“ dies ins Rollen gebracht. Ich kann mir auch vorstellen, wer die Autoren waren, ich vermute ein bestimmtes Duo. Grüße gehen raus. Ich zitiere:
Dem Ergebnis zufolge stammte laut „Zeit“ ein unter Wildbergers Namen im „Handelsblatt“ veröffentlichter Artikel aus dem April 2026 fast vollständig von einer KI, ein Beitrag in der „Frankfurter Allgemeinen“ vom März zum überwiegenden Teil.
Vielen Dank auch an den „Münchner Merkur“ und der Autorin Bettina Grachtrup für diesen Artikel.
Das ist in meinen Augen ein Skandal der Kategorie I. Man weiß ja schon, daß mehr als 50 % des Internet-Datenverkehrs von Maschine zu Maschine ist. Es stellen sich folgende Fragen:
- Warum soll ich diesen KI-generierten Inhalt lesen? Wenn ich will, kann ich mir das mit dem richtigen Prompt ja selbst erzeugen
- Warum fiel dieser Text nicht auf? Vor über 20 Jahren habe ich schon einen Vortrag gehalten zu Fälschungen in der Wissenschaft. Hier fehlt es meiner Meinung nach ganz klar an Expertise bei den betroffenen Zeitungen.
- Warum hält ihn keiner aus seinem Umfeld zurück? Es ist doch klar, daß dies aufkommen muß irgendwann.
Ich bin ehrlich gesagt fassungslos – auch darüber, daß dieser Minister offenbar gehalten werden soll. Es bestätigt meine Einschätzung über diese Ministerriege.
Seite 24, „Halle: Vier Mädchen vergewaltigt?“. Ich habe hier eine etwas andere Einschätzung, ich habe dazu auch schon begonnen zu forschen, aber es gab keine Fördermittel.
Ein eigener Block „WM 2026“. Viele kleine Artikel, die Stimmung wird so gut aufgefangen. Gratulation zum Konzept. Auch ein schöner langer Artikel „Die 98 $ sind jeden Cent wert“ / „Wie läuft der Fan-Transport von New York? Wir haben es getestet“. Sehr gut, auch einmal die andere Seite zu sehen, also den zusätzlichen Aufwand, das Sicherheitspersonal etc. Die Zeiten, wo man mit einem „Token“ in New York so lange fahren konnte, wie man will, sind lange vorbei. Ich habe noch einige Token als Erinnerungsstücke und neulich einmal herumgezeigt, kannte keiner mehr.
Seite 31, ‚“Masterplan? „Schwachsinn“‚ / „1860-Präsident Mang über böse Gerüchte, einen geheimnisvollen Geldgeber und eine SMS von Völler“‚. Ich wäre bei einem Neuaufbau von 1860 dabei, vorher muß allerdings klar Tisch gemacht werden.
Seite 32, ‚“Davon haben wir geträumt“ / Nach 53 Jahren: Knicks holen NBA-Titel‘.
Der „Münchner Teil“, Seite 33, „Die Heimkehr des Kini“ / „Denkman auf der Corneliusbrücke feierlich enthüllt“. Hut ab und auf. Man sieht aber, daß die Stadt andere Prioritäten hatte, als das ursprüngliche Ludwig-II-Denkmal von 1910 wieder aufzubauen. „Während des Zweiten Weltkriegs schmolzen die Nazis die Figur jedoch ein,“. Vielen Dank an den Initiator Dietmar Holzapfel und seine Mitstreiter.
Seite 33 ebenso, „Isar Aerospace: Neuer Anlauf“. Sehr gut!
Seite 34, „Angst im Berufsverkehr: Student fordert Radweg in Moosach“. In meinen Augen überfällig. Den Rückbau der Radwege in der Tumblinger Straße – in unmittelbarer Nähe einer Grundschule – halte ich für einen der größten Fehler in der Ära Dieter Reiter.
Seite 38, „Herrenloser Bagger in Bogenhausen“ / „Erst nach unserem Anruf kommt er weg“. Ich bin fassungslos. Auch über die Polizei. Das wäre in meinen Augen auch Chefsache, derartige Gefährdungen müssen in meinen Augen unverzüglich, also absolut sofort, beseitigt werden. Mir ist die Prioritätensetzung bei der Münchner Polizei manchmal nicht ganz klar. Hut ab vor der Anwohnerin Eleana Hegerich, die die Sache in die Hand nahm – wenn sämtliche beteiligte Institutionen kein gutes Bild abgeben. Es würde mich wundern, wenn es eine interne Untersuchung gäbe. Wäre ich Bürgermeister: Auf jeden Fall, für mich wäre es auch Chefsache und ich würde mir eng Bericht erstatten lassen.