Vorab: Ich würde DAB+ wieder abschalten. Ich hätte es auch nie eingeführt.
Es hat zur Zersplitterung und Zerfaserung geführt. Die Frequenzbänder könnte man meiner Meinung nach für andere Funkdienstleistungen besser nutzen. Außerdem hätte ich einen analogen Fernsehsender in Betrieb gehalten.
Aber gut, ich habe das nicht entschieden.
Jetzt sitze ich also vor dem DAB+ Radio und denke mir, was sind die besten Sender?
- „2Day“, „Radio 2Day“, München (Block 11C, 220,352 MHz; 80kbps / AAC)
- Auch auf diesem Block 11C ist übrigens „Classics“, eigentlich „be4 Digital Classix“.
- „BR KLASS“, „Bayern 4“ heißt jetzt „BR Klassik“: Block 11D, 222,064 MHz, 144 kBps / AAC. Es kommt das Stück als durchlaufender Text. Top!
- „KLASSIK“, „Klassik Radio: Block 5C, 178,352 MHz, 72 kBps / AAC (auch mit zusätzlichen Text-Informationen, die durchlaufen)
Viele Sender, die zwar im Menu angezeigt wurden – es also früher einmal gegeben haben muß -, senden offenbar nicht mehr (?). Also schadet es nicht, einen Bänder-Scan durchzuführen. Danach kommen einige neue Sender, andere senden immer noch nicht. Außerdem scheinen viele Sonderzeichen mitgesendet zu werden, die bei mir als „?“ auftauchen.
Also, ich habe bisher nur wenige Sender, den ich empfehlen kann.
Es gibt überwiegend Pop/Rock. Die musikalische Vielfalt, die man sich erhofft hat, ist nicht eingetreten. Es gibt neben „Bayern 4“ auch ein „Klassik“-Radio und einen Schlager-Sender.
Ansonsten, noch meine Einschätzung zu „DAB+“.
Ich weiß nicht recht, was das „+“ soll.
Grundsätzlich:
- man muß sich bei der Bedienung komplett umgewöhnen.
- Es ist nicht wie bei einem herkömmlichen Radio, daß man ein Band auswählt (UKW / MW / LW / KW), dann eine Frequenz auswählt, und dann kommt ein Sender.
- Es gibt auch kein Rauschen.
- Der Empfang auch im Gebäude ist 1a. Selbst die Antenne eingezogen – es funktioniert einwandfrei.
- Man kann nicht – zumindest nicht bei den drei Radios, die ich mir angesehen habe – „manuell“ eine Frequenz auswählen, sich dann die Sender in dem Multiplex anzeigen lassen und einen auswählen.
- Ich kann aber manuell eine Frequenz auswählen und dann die Sender dieses „Bouquets“ zu der Liste hinzufügen.
- Diese Liste darf man dann durchscrollen.
- Wer sich diese Benutzeroberfläche insgesamt überlegt hat, sollte einmal ein Praktikum bei „Apple“ machen. Man hätte es „DAB-“ nennen sollen. Ich habe auch weltweit recherchiert: In den USA spielt „DAB+“ offenbar keine Rolle. Indien kehrt wohl wieder zu UKW zurück.
- Noch etwas zu der Technik: Der Sender muß also die ankommenden Sender-Ströme multiplexen und dann ausstrahlen. Man kann sich die Verzögerung ausmalen, das sind bestimmt zwei bis drei Sekunden nach meiner Schätzung. Ich weiß nicht, wie das jemals sozusagen als „Katastrophenfunk“ genehmigt werden konnte. Was da alles funktionieren muß, damit „DAB+“ „on the air“ ist. Es gibt ein Linux-Projekt für das DAB+-Encoding – wenn ein Kunde es zahlt, sehe ich es mir gerne einmal an.
- „BR24“ hat einen sehr guten durchlaufenden Text mit Nachrichten. Hut ab: Block 11D, 222,064 MHz, 96 kBps / AAC
Zusammenfassend:
- man hat versäumt, deutschlandweit die Sender über Senderfrequenzen stabil zu halten. Man muß also bei einem Ortswechsel ständig einen Sendersuchlauf durchführen.
- „RDS“, also der „Piep“ für Verkehrsnachrichten, wurde offenbar komplett weggelassen. Früher: eine Super-Funktion. Allerdings läuft es seit zehn Jahren nicht mehr. Früher bin ich oft mehr oder weniger durch ganz Deutschland gefahren, habe irgend einen Sender gehört und dank „RDS“ hörte ich die regionalen Verkehrsnachrichten. Das ist eindeutig ein Rückschritt in meinen Augen, daß das nicht mehr geht. Ich weiß immer nur nicht, ob man das auch so benennen darf, oder ob man dann schon „Verschwörungstheoretiker“ ist. Meine Meinung ist leider inzwischen, daß viele in Deutschland die Realität nicht mehr adäquat erkennen können. Es geht nicht nur um das Benennen und Aufzeigen, es geht um das Erkennen. Es wird bei vielen einfach irgendwie „weggeblendet“. Die Obdachlosen sehe offenbar nur ich. Daß Deutschland zwei Mal bei der Vorrunde ausschied und jetzt im Sechzehntelfinale, sehe offenbar auch nur ich. Es wird immer schöngeredet und schöngefärbt von den „Gutis“. Deshalb breche ich die Gespräche auch ab, wenn ich merke: inadäquate Realitätswahrnehmung. Ich kenne übrigens einen Luft- und Raumfahrttechniker, der nun schon einige Monate arbeitslos ist. Einen „Fachkräftemangel“ kann ich empirisch nicht erkennen. Eine Bäckerei hat geschlossen, weil sie keine Mitarbeiter mehr finden konnte. Ich habe mich vorher mit der Mitarbeiterin unterhalten: Von dem Lohn konnte sie nicht ohne weiteren Job leben. Also, dann ist für mich die Diagnose klar: „Fachkräftemangel“ kann auch die Bezeichnung dafür sein, daß die Stelle aufgrund zu niedriger Bezahlung nicht besetzt werden kann. Aber die „Gutis“ sehen das anders, ich weiß schon.
- Fakt ist: Ich sehe keinen Vorteil gegenüber UKW, die Bedienung ist schlechter. Es ist ein „Flickerlteppich“, wie mein alter Geschichtslehrer immer gesagt hat. Von mir aus kann man „DAB+“ wieder abschalten.
- Was ich nicht getestet habe, aber in Testberichten gelesen habe: Angeblich ist der Stromverbrauch auf Empfängerseite auch höher. Mein Testgerät „Sangean DPR-65“ hält mit zwei AA-Batterien jetzt aber schon einen Tag durch. Wiederaufladbar. Top!
- Was ich aber weiß, so kam ich überhaupt auf das Thema: Ein „DAB+“-Radio kann im UKW-Teil noch funktionieren, der „DAB+“-Teil kann aber defekt sein. So war es nämlich bei einer Kundin. Und meine Lösung für sie war schließlich: Bitte ein neues Radio kaufen. „Reset“ etc. hat nichts gebracht. Letztlich ist „DAB+“ eine Software oder ein Computer oder wie auch immer und eben nicht mehr ein in Analogtechnik aufgebauter „Tuner“.