Seit vielen Jahren kommen wir regelmäßig nach Rügen, das erste Mal haben wir es nun in das „Ahoi“-Bad – mehr oder weniger direkt beim Bahnhof des „Rasenden Roland“ geschafft.
Vorweg: Der Parkplatz kostet Geld – ein Euro je angefangene Stunde.
Beim ersten Versuch vor einigen Tagen war eine derart lange Schlange beim Eingang – und der Parkplatz so stark belegt – daß wir den Besuch abgebrochen oder eher vertagt haben.
Jetzt, an einem Samstag, ging es.
Keine Schlange und eine sehr nette Mitarbeiterin an der Kasse.
Wir sind dieses Mal auch mit der „Bimmel“-Bahn gekommen.
Das klappt auch recht gut.
Die Schlüssel (Handarmband, RFID) sind sehr modern, die modernsten, die ich bisher gesehen habe. Jeder Schlüssel hat die Spindnummer aufgedruckt. Die Bedienung ist einfach: Hinhalten, es piept, zudrehen. Die Mechanik ist solide. Ich habe in vielen Bädern schon schlecht gewartete oder wacklige Systeme gesehen. Das ist hier nicht der Fall.
Das Bad ist sauber. Es riecht gut. Ich habe keinen Modergeruch gerochen oder diesen typischen „altes Bad“-Geruch.
Das Bauwerk ist meiner Einschätzung nach solide. Nach „Bad Reichenhall“ schaue ich mir derartige Gebäude immer sehr genau an – und gehe im Zweifelsall. Vorher habe ich hier blind der Einschätzung der Verantwortlichen vertraut. Nachdem ich intensiv dazu geforscht habe – auch zur juristischen Aufarbeitung – kümmere ich mich selbst darum. Metallsäulen in einem Rund. In der Mitte ein Metallring. Dann gibt es zwar Holzbalken, die sahen aber gut aus. Auch die Schweißnähte z.B. bei den Brücken sahen gut aus. Ich habe nur zwei oder drei Stellen gesehen, die ich warten würde.
Die Temperatur ist hoch. Offenbar ist zumindest hier die Zeit der Sparerei vorbei. Ich war in den letzten Jahren in Bädern, da dachte ich mir, naja.
Aufgrund der „Stadtbild“- und Sicherheitsproblematik gehe ich seit der „Corona-Zeit“ (als es schwierig war, überhaupt in ein Bad zu gehen) nur noch sehr selten in öffentliche Bäder in Westdeutschland. Mir wurde selbst in der Dusche – trotz meiner direkten Anwesenheit – hinter meinem Rücken eine Ray-Ban-Brille gestohlen – und mir wurde absolut nicht geholfen von dem Münchner Bad. Ich sagte: Ich kann den Dieb identifizieren (Phänotyp nach Vorurteil). Es hieß „Wir können Ihnen nicht helfen“. Ich meinte, ich sehe mit der Polizei die Bilder der Sicherheitskamera durch, ich erkenne ihn wieder. Aber: Absolut keinerlei Hilfe und Unterstützung. Es kann sein, daß sich das durch die sich abzeichnende „neue“ Politik mit erhöhter Sensibilität, Polizei rufen, Hausverbote etc. geändert hat, aber bei mir haben die städtischen Münchner Bäder im Grunde keine Chance mehr (oder nur noch in Ausnahmefällen), bis es zu einer „Zero Tolerance“ Politik gekommen ist. Und diese wird kommen, da bin ich sicher. Untragbare Zustände können nicht ewig aufrechterhalten werden. Ich habe es selbst in New York City erlebt – davor und danach.
Somit, in Sellin: Das Sicherheitsgefühl ist hoch. Es sind mehrere Bademeister unterwegs. Auch eine Bademeisterin war da. Sie gehen herum, räumen auf. Das Bad ist übersichtlich. Es gibt keine oder kaum versteckte Winkel.
Das Publikum ist gemischt, vorwiegend Familien mit kleinen Kindern. Es ist kein hoher Lärmpegel.
Rd gibt einen schönen Außenbereich. Auch einen Liegewiesenbereich. Man hört keinen Autolärm.
Die Fliesen im Bad selbst sind sehr rutschig. Ich habe gesehen, wie jemand fast hingefallen wäre.
Die Getränkepreise sind relativ günstig. Die Essenspreise in meinen Augen etwas ambitioniert. Der Eintrittspreis ist auch stramm, aber noch machbar.
Die Umkleiden sind sauber und gut gewartet. Die Föns haben auch alle funktioniert.
Also alles in allem: Eines der besten Bäder, die ich in den letzten Jahren in Deutschland besucht habe. Absolute Empfehlung von meiner Seite.
Der Kassenzettel wurde auf „ordentlichem“ und „nicht-Thermo-Papier gedruckt. Dadurch ist der große Barcode auch lesbar. Das ist ja eine große Lebenslüge letztlich des Staates. Der Barcode ist fast nie scanbar. Ich probiere es immer aus. Bei jedem Kassenzettel werden 10 cm einfach nur verschwendet in meinen Augen. Die „Grünen“ haben schon lange ihren Kern verloren, sonst wäre das in meinen Augen nicht möglich. Ich bin ein großer Fan von „auch die Details müssen stimmen“. Jedenfalls kann man den Barcode decodieren. Überhaupt ist der Kassenzettel von einem Profi gestaltet worden. Mit den Sternchen * um den Titel, der Guru, der den Hut auf hatte, hatte 100 % einen C64, ich setze einen Euro. Oder einen CBM 4016 oder 8032. Es wundert mich, daß auf dem Besuch eines Schwimmbads offenbar nur 7 % Umsatzsteuer anfallen.
Ich habe mir auch die Homepage „ahoi-ruegen.com“ angeschaut. Offenbar wird das Bad stark gefördert, Solaranlagen, Austausch der Pumpen. Es fehlt ein Korrekturleser („Koorperationen“). Das Bad befindet sich in öffentlicher Trägerschaft, offenbar war es bis 2015 privat.
Die Broschüre ist sehr gut. Es wird darauf hingewiesen, wie viele Bäder in Deutschland inzwischen geschlossen wurden.
Ich kann nur immer wieder sagen, daß ich dieses Hochgejuble, wie toll es alles ist („bestes Deutschland aller Zeiten“, „Beste Bundesregierung seit Jahrzehnten“, Aussage F.M.) anhand von Statistiken nicht nachvollziehen kann. Aber 90 % sehen es anders. Dies sehe ich wohl. Hier jedenfalls ein weiterer Baustein meiner Argumentation. Vielen Dank! Und sehr mutig.
Man sieht an der Statistik auch, daß das Schließen von Hallenbädern eine Krise des Westens ist – und nicht von Mitteldeutschland. Es gibt eine Aufstellung nach Bundesländern „2019/20 schlossen in Deutschland 107 Hallenbäder“.
Ich kann es nur immer wieder sagen: Die aktuelle Bundesregierung hat das Ausmaß der Krise – die ja erst nicht seit heute besteht, sondern im Grunde mit den Regierungen nach „Schröder“ begann – nach wie vor nicht ansatzweise erkannt.
Etwas ausführlicher:
- Die Zahl der Hallenbäder hat beim „Dr Hinner Entwicklungsindex“ nicht nur aus diesen Gründen eine sehr hohe Gewichtung.
- Auch innerhalb der Bundesländer sieht man, daß in Bayern 14 Hallenbäder geschlossen wurden, in Berlin drei. Statistisch müßten es in Berlin eigentlich sechs sein. Daran läßt sich meiner Meinung nach erkennen (c.p. Bevölkerungszahl), daß Bayern eigene Hallenbäder schließt – und über den Länderfinanzausgleich den Berlinern drei bezahlt. Wäre ich Ministerpräsident von Bayern, würde ich sagen: Schluß damit, ihr bekommt keinen Pfennig mehr.
Und ich wette: Diese Broschüre wird in einem Jahr offline sein. Aber es gibt ja „archive.org“.
Und noch etwas ist eingetreten dieses Jahr, was ich immer und immer wieder prophezeit habe: Die Zahl der Ertrunkenen in Deutschland wird steigen.
Man muß dafür nicht unbedingt bayerisches Abitur haben. Aber man sollte Grundkenntnisse der Statistik besitzen. Deshalb bin ich dafür, daß die Normalverteilung im Gymnasium wieder gelehrt wird und der 10-DM-Schein wieder eingeführt wird, mit Gauß und der Glockenkurve (die Älteren unter uns erinnern sich, ich verwendete ihn immer bei meinen Vorlesungen „Empirische Sozialforschung“ und den Statistik-SPSS-Kursen).