Gestern war ich bei der Post, um mein Postfach zu leeren und sehe einen Aushang mit der Nachricht – offenbar äußerst kurzfristig – daß die Postfiliale an der Kochelseestraße 11 geschlossen werden soll.
Und zwar schon zum 25.12.2025!
Zum Hintergrund muß man folgendes wissen:
- es ist eines der ältesten noch ursprünglich erhaltenen Gebäudeensembles in München. Deshalb werden dort auch oft Filme gedreht.
- Die Bayerische Hypobank äh Hypo-Vereinsbank hat ihre Filiale vor etwa acht Jahren (schätze ich) geschlossen. Die Filiale war gegenüber. Sehr schade und ein Verlust (auch des Bayern-Wappens) von dem sich der „Platz“ (leider ist es nur noch ein Parkplatz) nicht mehr erholen wird meiner Meinung nach.
- Der Briefmarkenautomat wurde vor etwa fünf Jahren abmontiert. Auch Knall auf Fall – nicht einmal die Postler in der Filiale wußten Bescheid.
- Die „Packstation“ soll wohl bleiben.
- Die „Postfächer“ sollen wohl bleiben.
Die Schließung dieser Filiale ist schon mehrmals geplant gewesen.
Aber meistens mit mehr Vorlauf. So konnten Proteste organisiert werden und die Filiale blieb dann bestehen.
Meine Meinung ist: Wie soll es in Deutschland weitergehen, wenn zentrale wichtige Infrastruktur immer weiter zurückgebaut wird?
Als Briefmarkensammler sage ich: Schade.
Als Briefmarkenhändler sage ich: Ihr macht euch euren eigenen Markt kaputt.
Deutschland gibt viel Geld aus – meiner Meinung nach ist hier etwas gehörig aus dem Ruder gelaufen. Die Steuerbelastung ist inzwischen extrem. Eine Selbständigkeit kann ich im Grunde meinen Kunden nicht mehr empfehlen. Bei der Bezirkssportanlage fehlt es an Platzwarten.
Und es ist wie bei einem Lebewesen: Eine Wiederauferstehung gibt es nicht. Tot ist tot. Abgebaut ist abgebaut. Es ist viel schwerer etwas abzubauen als es wieder aufzubauen.
Diese ganze Entwicklung habe ich damals vorhergesagt, als die „Deutsche Bundespost“ zerschlagen wurde:
- „Deutsche Post Paket“ ist inzwischen „DHL“.
- „Deutsche Postbank“ ist inzwischen „Deutsche Bank“
- und die „Deutsche Briefpost“ ist jetzt auch eindeutig auf dem absteigenden Ast. Ich glaube, die Filiale am Goetheplatz wird auch geschlossen. Bald haben wir einen Zustand wie in Dänemark.
Summa summarum kann ich aus volkswirtschaftlicher Betrachtung nur sagen, daß bei dem ständigen Abbau die Produktivität nicht mehr da sein wird, die 20 Millionen Transferleistungsempfänger zu versorgen.
Ich sehe mit großer Sorge in die Zukunft.
Auch – und gerade deshalb – weil 99 % in meinem Umfeld den aktuellen Kurs mittragen. Dies kann aber nicht gutgehen – nach meiner Meinung.
Nachtrag, 26.12.2025: Inzwischen wurde zumindest auch in der SZ und der TZ darüber berichtet.
In meinen Augen ist ein großer Aspekt nicht beleuchtet worden, nämlich der volkswirtschaftliche. Ein Dienstleister wie die Post schafft sich in gewisser Weise auch die Nachfrage. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, wurden meiner Vermutung nach knapp drei Vollzeitstellenäquivalente benötigt. Deren Rente oder wohl sogar Pension (ich kann mir vorstellen, daß es noch Postbeamte waren z.T.) müssen ja irgendwie finanziert werden. Wie soll das gelingen, wenn jetzt der „Artbeitsort“ entfällt? Es ist ja nicht so, daß München-Sendling „strukturschwaches Gebiet“ ist. Es hätte in meinen Augen aller Anstrengungen bedurft, diese Filiale offenzuhalten, z.B. mit einem Postbank-Geldautomaten, einem „Shop in Shop“-System oder wie auch immer. Die Öffnungszeiten waren gegenüber normalen Filialen schon sehr „eingedampft“. Es gab Parkmöglichkeiten vor der Filiale. In meinen Augen wird dieser Kurs, wenn er so weiter betrieben wird, desaströs und in einem Kollaps enden.