Mir liegt die erste Auflage vor, „Dietz Verlag Berlin“, 1969. Übersetzt aus dem Russischen von Dr. Hans Zikmund, LVZ-Druckerei „Hermann Duncker“, Leipzig (576 Seiten).
Ein sehr schönes Vorwort zur zweiten russischen Ausgabe, offenbar wurde die erste Ausgabe nicht ins Deutsche übersetzt.
- Einleitung: Die philosophische Bedeutung des „Kapitals“, S. 9
Das Buch beginnt mit einem Lenin-Zitat: „Im „Kapital“ werden auf eine Wissenschaft Logik, Dialektik und Erkenntnistheorie (man braucht keine 3 Worte: das ist ein und dasselbe) des Materialismus angewendet.“.
Der erste eigentliche Absatz des Buches lautet_
Diese Worte Wladimir Iljitsch Lenins charakterisieren umfassend die philosophische Bedeutung des großen Werkes von Marx. In der Tat hat Marx keine systematische Darstellung der von ihm und Engels geschaffenen materialistischen Dialektik, Logik und Erkenntnistheorie hinterlassen, wohl aber, wie er selbst bezeugt, die Absicht gehabt, einen Abriß über die dialektische Methode zu verfassen. [S. 9]
„vom unvermeidlichen Sieg des Kommunismus“, S. 12
Lange Auseinandersetzung mit H. (Hegel).
- Erster Teil – Die Dialektik der objektiven Entwicklung und ihre Widerspiegelung in den Gesetzen und Kategorien der Dialektik [S. 27]
- 1. Kapitel – Die dialektische Entwicklungstheorie. Die Kategorie der Bewegung und Entwicklung [S. 29]
„Dynamismus“, S. 34
- Smith, Ricardo, „Geld“
- 2. Kapitel – Die Kategorie des Gesetzes und das Prinzip des Historismus [S. 67]
Erster Eindruck: Es ist ein deskriptiver philosophischer Ansatz, Marx zu interpretieren und zusammenzufassen. Das Buch ist in einer klaren Sprache verfaßt. Es muß die notwendige Begrifflichkeit verwenden, aber es findet kein Versteckspiel hinter Semantiken statt, die letztlich einer Verschleierung des zu einfachen Gedankens dienen könnten.
„Mehrwert entsteht nur, wenn Arbeiter ausgebeutet werden.“ [S. 91]. Mit dem Wissen von heute könnte man sagen, was ist überhaupt Ausbeutung? Und – aufgrund eigener biographischer Erlebnisse des Rezensenten – könnte man nicht sagen, der Kapitalist wird durch den Staat ausgebeutet mit seinen Institutionen, die das Kapitalistendasein strukturieren (es solll hier nicht in die Tiefe gegangen werden, sonst müßte dieser Text auch in mein US-Substack verschoben werden).
‚Die Vulgärökonomen im Zeitalter des Imperialismus machen viel Aufhebens von ökonomischen „Universalgesetzen“.‘ [S. 103]
„Marx widerlegt völlig die abstrakten und „ewigen“ Bevölkerungsgesetze eines Thomas Robert Malthus.“ (S. 107). Hierzu wäre vieles zu sagen, das würde aber den Rahmen sprengen. Der Rezensent hält das „demographische Problem“ seit gut 20 Jahren für das entscheidende Problem. Wenn die Entwicklung ungebremst so weitergeht, die Zuwanderung bestehenbleibt (viele im persönlichen Umfeld des Rezensenten bekräftigen immer wieder „Wir benötigen eine Zuwanderung von 500000 Fachkräften pro Jahr, kein Deutscher will bestimmte Arbeiten mehr übernehmen“) und die „Schieflage“ in der Fertilität so bestehenbleibt, könnte es keine zehn Jahre mehr dauern, bis das Christentum in Deutschland nur noch die zweitstärkste Religion ist. Hier haben sich ganz offensichtlich fast alle geirrt, der „Mainstream“ und die Massenmedien und es gab nur sehr wenige, die die Zeichen der Zeit richtig erkannten – schon vor Jahren – die aber beschimpft und verhöhnt und lächerlich gemacht wurden – und für eine institutionellen Anbindung ganz offensichtlich nicht gewünscht waren, denn sonst würde der Irrglaube nicht bis heute bei 90 % bestehen bleiben. Mene mene tekel.
- 3. Kapitel – Das Umschlagen quantitativer Veränderungen in qualitative. Die Kategorien Qualität, Quantität und Maß. [S. 121]
„Marx kann dadurch, daß er das Kapital als eine Bewegung auffaßt, die ökonomischen Gesetze dieser Bewegung feststellen.“ [S. 121]. Dies erinnert etwas an Niklas Luhmann, der mit „Medium“ und „Unterscheidung“ arbeitete. Der Rezensent war schon immer etwas skeptisch gegenüber Wissenschaftlern, die ihre Nomenklatur wie ein Netz über ihr Forschungsfeld aufspannten und dann den Untersuchungsgegenstand wie durch eine Linse oder einen Filter abbildeten. Dies mag reizvoll sein und manchmal auch zielführend, läuft aber zu oft auf eine letztlich unzulässige Simplifizierung hinaus.
[…]
- Zweiter Teil – Das dialektische Fortschreiten des Gedankens und seiner Formen zur objektiven Wahrheit [S. 297]
- 7. Kapitel – Die logische Erforschung des Wesens des Objekts. Die Kategorien Schein, Wesen und Erscheinung [S. 299]
„ontologischen“, „gnoseologischen“ [S. 299]
Walter Eucken, S. 300
Formel „G – W – G“, S. 323
„Mehrarbeit“, S. 341
- 8. Kapitel – Die Abstraktion, ihr Wesen und ihre Rolle in der Erkenntnis [S. 344]
- 9. Kapitel – Das Abstrakte und das Konkrete. Die Methode, vom Abstrakten zum Konkreten aufzusteigen. [S. 383]
Ricardo und Spinoza, S. 401
„Ricardo verriet in einem seiner Briefe an Thomas Robert Malthus unfreiwillig diese logische Schwäche seiner Untersuchungsmethode“, S. 401
10. Kapitel – Analyse und Synthese, Induktion und Deduktion bei der Reproduktion der konkreten Totalität eines Objekts [S. 432]
Karl Kautsky, S. 453
[…]
Logik als Wissenschaft, S. 487
[…]
William Petty, S. 502
Ab Seite 541 finden sich Zitatnachweise und Fußnoten.
Es wird kaum Sekundärliteratur angegeben, in erster Linie wird Marx zitiert, auch aus den Briefen. Sozusagen eine Exegese. Es gibt auch keine Fußnoten am Ende der Seiten. Es werden nicht seitenweise angelsächsische Autoren zitiert. Das Buch ist somit sehr angenehm zu lesen.
Seit dem Erscheinen des ersten Bandes des „Kapitals“ sind mehr als hundert Jahre vergangen. Immer stärker und anziehender werden die Ideen, die in diesem Werk niedergelegt sind und die Lenin als der große Fortsetzer des Werkes von Marx weiterentwickelt hat. Das „Kapital“ war und bleibt der große Schatz der Ideen des wissenschaftlichen Sozialismus, aber auch der Methode des Marxismus, der marxistischen materialistischen Dialektik, der dialektischen Logik. [S. 539]
Wissenschaftsgeschichtlich ist bemerkenswert, in welch kurzer Zeit sich die Art und Weise, wie Wissenschaft betrieben wird, geändert hat. Gerade vor dem Hintergrund der „Corona-Zeit“ – hier war von der „dialektischen Methode“ nichts mehr zu merken.